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Brasil / Brasilien
Über Brasilien - Bevölkerung
(Kopie von: www.brasbern.ch)
1996 nahm Brasilien unter den bevölkerungsreichsten Ländern der Welt mit einer Einwohnerzahl von 157, 07 Millionen nach China, Indien, den USA, Indonesien und den GUS-Staaten den sechsten Rang ein. Die brasilianische Bevölkerung ist überwiegend jung. Fast 60 Prozent der Bevölkerung sind unter 30 Jahre alt.
Alter Prozent der Gesamtbevölkerung (Stand 1996)
0-14 31,62%
15-64 63,01%
über 65 5,37%
Seit 1970 erlebt Brasilien eine dramatische Veränderungen der Bevölkerungsstruktur. Der Trend läßt sich im wesentlichen auf einen massiven Verstädterungsprozeß und die Modernisierung der Volkswirtschaft zurückführen. Belief sich die Geburtenrate in den sechziger Jahren noch auf 6,3 Kinder pro Frau, fiel sie in den achtziger Jahren auf 4,4.Die derzeitige Lebenserwartung von 64,4 Jahre für Männer und 70,9 Jahre für Frauen wird bis zum Jahr 2050 voraussichtlich auf 80 Jahre ansteigen.
Damit wird sich die jährliche Wachstumsrate von 2,9 Prozent in den sechziger Jahren bis zum Ende des Jahrhunderts voraussichtlich rund 1 Prozent vermindern.
Verteilung der Bevölkerung
Obwohl Brasilien seiner Bevölkerungszahl nach in der Welt an sechster Stelle liegt, ist seine Bevölkerungsdichte im Vergleich zu anderen Ländern niedrig (18,4 Einwohner/km2). Die Mehrheit der Brasilianer hat sich entlang der atlantischen Küste in den südöstlichen und nord-östlichen Bundesstaaten angesiedelt. Heute leben über 75 Prozent der Brasilianer in den Städten.
Die Industrie konzentriert sich auf die südöstliche Region, wo allein im Staat São Paulo 50 Prozent aller Güter produziert werden. Seit 1970 läßt sich eine verstärkte Abwanderung aus dem Nordosten in den Südosten und aus den ländlichen Regionen in die Städte verfolgen. In jüngster Zeit jedoch hat die Migrationsbewegung ihre Richtung geändert; Ziele sind die weniger besiedelten Gegenden im Mittelwesten und Norden des Landes.
Ethnische Herkunft
Die Bevölkerung Brasiliens stammt im wesentlichen von drei Ethnien ab: den indianischen Ureinwohnern, den nach und nach eingewanderten Europäern (zumeist Portugiesen) und von Afrikanern (überwiegend aus den westlichen Küstengebieten südlich der Sahara).Im 16. Jahrhundert war das Gebiet des heutigen Brasilien von mehreren hundert einheimischen Indianervölkern bewohnt, die trotz ihrer ethnischen Verwandtschaft verschiedene Idiome sprachen und unterschiedliche Kulturen pflegten.
Heute beläuft sich die Zahl der Indianer auf etwa 250.000. Sie lassen sich in etwa 200 Gruppen unterteilen und sprechen etwa 180 verschiedene Sprachen. Den Indianern wurde von der brasilianischen Regierung ein riesiges Gebiet zur Verfügung gestellt, das mit 850.000 Quadratkilometer zehn Prozent der gesamten Fläche Brasiliens ausmacht. Auf diesem Territorium, das insgesamt beinahe die zweieinhalbfache Größe der Bundesrepublik Deutschland umfaßt, können die Indianer ihre Lebensart bewahren.
Seit sich im Jahre 1818 die erste größere Gruppe deutscher Einwanderer im Süden Bahias niederließ, sind etwa 310.000 Deutsche - überwiegend aus dem Hunsrück und von der Mosel - nach Brasilien ausgewandert. Ab 1820 war Rio Grande do Sul ein Hauptziel neuer Einwanderungsströme aus Deutschland. Bevorzugte Siedlungsgebiete waren die Flußtäler des Rio Caí und des Rio dos Sinos. 1824 gründeten die deutschen Immigranten die Stadt São Leopoldo. Zwischen 1850 und der Gründung des Deutschen Reichs im Jahre 1871 verstärkte sich die deutsche Zuwanderung. Die Neuankömmlinge siedelten nun auch in der Küstenregion von Santa Catarina und im Tal des Rio Itajaí und gründeten 1850/51 Dona Francisca (das heutige Joinville), 1854 Blumenau und 1870 Brusque. Hier errichteten sie kleine industrielle Fertigungsbetriebe für Textilien und Keramik.
Heute wird die Zahl der deutschstämmigen Brasilianer auf etwa 5 Millionen geschätzt. Sie leben über das ganze Land verteilt, insbesondere aber im Süden und Südosten.
Sprache
Die offizielle Landessprache Brasiliens ist Portugiesisch. Mit Ausnahme der Idiome, die von Indianerstämmen in Reservaten gesprochen werden, ist Portugiesisch Umgangssprache. Regionale Dialekte existieren nicht, wobei indigene Sprachelemente häufig Einfluß auf regionale Sprechweisen genommen haben. Brasilien ist das einzige Land Südamerikas, in dem Portugiesisch gesprochen wird. Mit einer Rechtschreibreform, auf die sich alle portugiesischsprachigen Länder derzeit einigen, soll eine größere Einheitlichkeit des Schriftportugiesisch garantiert werden.
Religion
Die brasilianische Verfassung garantiert Religionsfreiheit. Mit der Ausrufung der Republik im Jahre 1889 gab es keine Staatskirche mehr. Dennoch erklärten 1996 rund 83 Prozent der Bevölkerung ihre Zugehörigkeit zur römisch-katholischen Kirche. In jüngster Zeit ist die Zahl der protestantischen Gruppen in Brasilien gestiegen. Unabhängige Kirchen der Pfingstbewegung können sich auf eine ansehnliche Mitgliederzahl stützen. Auch die etablierten, in Europa und den USA entstandenen protestantischen Gemeinden der Episkopalkirche, der Methodisten, Lutheraner und Baptisten haben ihre Anhängerschaft.
Candomblé wurde vom 16. bis zum 19. Jahrhundert von den Yoruba-Sklaven aus Nigeria und Benin in Brasilien eingeführt. Heute nehmen zahlreiche Brasilianer aus allen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Schichten sowohl an christlichen Gottesdiensten als auch an Candomblé-Ritualen teil. Schätzungen gehen davon aus, daß nahezu 70 Mio. Brasilianer Candomblé praktizieren. Wichtigster Festtag der Candomblé-Anhänger ist Iemanjá, der in Bahia am 2. Februar begangen wird. Umbanda, ein Kult, der sich aus Candomblé entwickelt und mit christlichen und spiritistisch-kardecistischen Vorstellungen vermischt hat, ist ebenfalls weit verbreitet.
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